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LCD-Bildschirme - was geschieht danach?

Jeder kennt sie, aber kaum einer weiß, was in einem Flachbildschirm alles steckt.

Ist mit Gefahren beim Betrieb eines Flachbildschirms zu rechnen?
Ist die anschließende Entsorgung problematisch?
Kann so ein komplexes Gerät auch unproblematisch wieder recycelt werden?
Fragen die wir durch unseren Artikel kurz beleuchten wollen.

Hintergrund

Im Jahr 2004 überstieg die Anzahl der produzierten Bildschirme mit Flüssigkristall-Anzeigeeinheiten erstmals die Anzahl der klassischen Röhrenmonitore.
Inzwischen haben sich für die meisten Anwendungen - auch bei den klassischen Arbeitsplatz-Computern - die LCD-Flachbildschirme anstelle der Röhrenmonitore durchgesetzt.
Eine Vielzahl weiterer Geräte (z. B. PC-Bildschirm, Laptop, Notebook, Handy) sowie der Unterhaltungselektronik (z. B. Fernsehgerät, Videokameras) sind mit LCD-Bildschirmen ausgerüstet.

Die LCD-Bildschirme haben einige Vorteile gegenüber den Monitoren mit Bildröhre.
Sie benötigen weniger Energie, brauchen wegen ihrer flachen Bauweise weniger Platz, sie flimmern nicht, erwärmen sich kaum und sind strahlungsarm.

Aufgrund der starken Verbreitung und einer schnellen Produktfolge der LCD-Bildschirme steigt aber auch das Abfallaufkommen langsam an. Es stellt sich daher immer öfter auch die Frage nach der Entsorgung bzw. Verwertung dieser Bildschirmtypen.

LCD-Bildschirme unterliegen den Anforderungen des Gesetzes über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung zur Elektro- und Elektronikgeräten (ElektroG) vom 16.03.2005.
Aufbau und Zusammensetzung von LC-Panels
Flüssigkristalle (LC) sind organische Moleküle, die gleichzeitig physikalische und chemische Eigenschaften sowohl von Festkörpern als auch von Flüssigkeiten aufweisen.
Diese Eigenschaften nutzt man zur digitalen Bilderzeugung. Generell gibt es tausende verschiedener Flüssigkristalle für unterschiedliche Anwendungen.
Die LC-Panels selbst bestehen aus zwei dünnen Glasplatten, zwischen denen die Flüssigkristallmischungen eingeschlossen sind. Der Glasanteil eines LCDs beträgt ca. 85%, der mehrschichtige Kunststoffanteil ca. 15%. Die Einsatzmenge der Flüssigkristalle in den Geräten ist sehr gering (generell ca. 0,5 mg/cm2 LCD-Fläche, z. B. Handy ca. 5 mg, Notebook ca. 0,3-0,4 g).  Als weitere Bauteile sind z. B. Batterien/Akkumulatoren und Leiterplatten enthalten.

Charakteristisch für LCDs ist (im Gegensatz zu LED), die notwendige Verwendung einer Hintergrundbeleuchtung. Diese besteht Gasentladungslampen bzw. Leuchtstoffröhren, die geringe Mengen Quecksilber enthalten.


Toxikologische und ökotoxikologische Bewertung

Die Produzenten von Flüssigkristallen und Flüssigkristallmischungen haben bereits Ende der 90er Jahre Toxizitätstests durchgeführt.
Danach sind kommerzielle Flüssigkristallmischungen

•    nicht akut toxisch,
•    nicht mutagen in Bakterien und Säugerzellen,
•    nicht schädlich für aquatische Organismen und
•    stehen nicht im Verdacht krebserzeugend zu sein.

Die hierfür verwendeten Flüssigkristalle werden in der Wassergefährdungsklasse 2 eingestuft und sind nicht leicht biologisch abbaubar.

Rücknahme, Verwertung und Entsorgung

m Vordergrund stehen zunächst eine getrennte und möglichst schonende Erfassung der LCD-Bildschirme im Rahmen der durch das ElektroG vorgesehenen Rücknahmesysteme.
LCD-Bildschirme gehören wie die Röhrenmonitoren zur Gruppe 3 nach ElektroG.
Die Behandlung der Altgeräte erfolgt in zertifizierten Erstbehandlungsanlagen nach ElektroG.
Um die Schadstoffentfrachtung der LCD-Bildschirme sicherzustellen, ist die Demontage daher manuell durchzuführen.
Dabei sind die LCDs, die quecksilberhaltigen Gasentladungslampen sowie die anderen o. g. Bauteile vor den weiteren Entsorgungsschritten möglichst zerstörungsfrei auszubauen.
Grundsätzlich sind mehrere Verwertungswege möglich.
Eine Deponierung scheidet auch aufgrund des hohen Kunststoffanteils sowie der nach § 12 ElektroG einzuhaltenden Quoten zur Verwertung bzw. Wiederverwendung aber aus.

Die ausgebauten Gasentladungslampen werden über die klassischen Lampenverwertungsbetriebe entsorgt, ebenso wie die demontierten Batterien/Akkumulatoren über die abfallspezifisch vorhandenen Verwertungswege.

Das Schadstoffpotential von LCD-Bildschirmen wird also im Wesentlichen durch die quecksilberhaltige Hintergrundbeleuchtung (Gasentladungslampen) sowie die Batterien/Akkumulatoren bestimmt.

Aufgrund der vorhandenen Schadstoffbelastung der Komplettgeräte sind LCD-Bildschirme als Ganzes als „gefährliche Abfälle“ im Sinne der AVV einzustufen.
Nach Angaben der Produzenten von Flüssigkeitskristallen ist eine Rückgewinnung und Wiederverwendung nur sehr schwierig und nicht wirtschaftlich
Flachbildschirme enthalten aber in geringen Mengen das Metall Indium.
Aufgrund des geringen weltweiten Vorkommens gleichzeitig aber stark steigenden Bedarfs an Indium, für die Photovoltaikindustrie, wird die Rückgewinnung von Indium aus LCD-Bildschirmen zukünftig verstärkt an Bedeutung gewinnen.

Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich die Recyclingindustrie auf diese Themen angepasst hat und mit welchem Aufwand ein sinnvolles Recycling dieser wertvollen, seltenen Stoffe möglich sein wird.


       Horst Gäck
(ENVILEX-Umweltberatung)

 

 

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